In den Aufeinandertreffen mit den Allgäu Comets steckt viel Tradition. Bereits zu Zeiten in der 2. Bundesliga lieferte man sich packende Duelle gespickt mit etlichen Anekdoten. Da war zum einen der Wechsel von Top- Star Patrick Johnson, der zum Aufstieg in die GFL die Seiten wechselte und maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die "Söldner" nicht direkt wieder abstiegen. Dazu Dalkowski: "Wenn man ehrlich ist, war er damals unsere Lebensversicherung, hat als Receiver, Defensive Back und vor allem auch als Returner geglänzt." Dalkowski erinnert sich aber auch noch daran, wie ein namentlich nicht genanner Receiver es schaffte, sich bereits bei einem Werbeauftritt vor dem eigentlichen Spiel den Ellbogen auszukugeln. "Treibt mir ehrlich gesagt immer noch die Tränen in die Augen wenn ich daran denke", so der Präsident. In der Gegenwart treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich unterschiedliche Saisonziele setzten, die unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen haben und bei denen der Gast aus Hessen als klarer Außenseiter anreist.
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Das Abstiegsgespenst scheint vertrieben
Schön war es wahrlich nicht, was den nur knapp 300 Zuschauern im Sepp-Herberger-Stadion in Mannheim geboten wurde. In einem zerfahrenen Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten und etliechen Anhaltspunkten dafür, warum die bisherige Saison der Kontrahenten eher suboptimal verlief, setzten sich die Marburg Mercenaries dank einer stark verbesserten Leistung in der zweiten Halbzeit am Ende verdient mit 28:10 durch und konnten so einen wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenverbleib einfahren.
Ein Sieg muss her
Zutreffend ist, dass die Saison in der German Football League noch nicht wirklich alt ist. Zutreffend ist weiterhin, dass noch ganz viel Football gespielt werden muss, bevor das Ringen um Abstieg, Play- Off- Plätze und schlussendlich die Meisterschaft entschieden ist. Und doch trifft man im Umfeld der Marburg Mercenaries viele Menschen, die der kommenden Auswärtspartie bei den Rhein Neckar Bandits entscheidende Bedeutung, ja teilweise schon Endspielcharakter attestieren. Ganz so dramatisch bewertet Marburgs Oberster – Carsten Dalkowski – die Situation nicht, kann die entsprechende Sichtweise dennoch nachvollziehen. "Es geht darum, schon früh in der Saison, den Grundstein dafür zu legen, dass man möglicherweise nicht tief in den Abstiegskampf gerät. Ein Erfolgserlebnis würde der Mannschaft Sicherheit geben und hoffentlich den Knoten für weitere Siege platzen lassen."
Ein Spiel der vertanen Chancen
Die Wahrheit liegt ja bekanntlich oftmals in der Mitte, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Analyse der beiden Mannschaften hinsichtlich des Spielgeschehens möglicherweise stark voneinander abweichen werden. Während die Marburg Mercenaries vergebenen Chancen nachtrauerten und individuelle Fehler zu beklagen hatten, können die Stuttgart Scorpions das vielzitierte Pferd herausholen, das ja bekanntlich immer nur so hoch springt, wie es gerade muss. Tatsache ist, dass der 30:14 Sieg der Stuttgarter nicht so klar war, wie der Spielstand es vermeintlich hergibt.
"Wir brauchen einen Sahnetag"
Zwar haben die Marburg Mercenaries nach bisher absolvierten vier Begegnungen erst einen Sieg auf dem Konto, in Unzufriedenheit oder gar Panik verfällt deswegen bei den Hessen indes keiner. "Da muss man die Kirche im Dorf lassen", resümiert dann auch Präsident Carsten Dalkowski. "Mit Ausnahme der Partie gegen das Saarland, bei der ich ehrlich gesagt eine kleine Hoffnung hatte, ist bisher alles so gelaufen, wie vorab erwartet. Der Sieg gegen Mannheim war für den Saisonverlauf unheimlich wichtig und dass wir derzeit nicht wirklich in der Lage sind den Hallern Paroli zu bieten, war auch klar". Angesprochen auf die kommende Aufgabe gegen die Stuttgart Scorpions zögert Dalkowski kurz, um anschließend eine höchst diplomatische Antwort zu wählen. "Stuttgart ist klarer Favorit und doch habe ich so das Gefühl, dass wir an einem nahezu fehlerfreien Sonntag Nachmittag eine Chance haben. Wir brauchen einen Sahnetag".
Auch das Rückspiel geht verloren
Das Spiel der Marburg Mercenaries gegen die Schwäbisch Hall Unicorns stand von Anfang an unter keinem guten Stern. War man ohnehin klarer Außenseiter der Partie, musste man sich im Vorfeld auch noch mit "Störfeuer" aus der lokalen Presse herumschlagen, Feuer welches durchaus einiges an verbrannter Erde zurückgelassen hat. Dazu Pressesprecher Arik Bredendiek: "Es kann einfach nicht angehen, dass man der Aussage eines einzelnen Spielers über die Hälfte des Artikels einräumt. Es geht dabei nicht um die kritische Berichterstattung, die legitim und absolut gewünscht ist, es geht um subjektive Stimmungsmache. Ich hoffe die Mannschaft hat verstanden, dass man Probleme intern anspricht." Sportlich sah es bis Mitte des zweiten Viertels noch so aus, als könnten die heimischen "Söldner" dem Favoriten aus Hall ein enges Spiel bescheren, bevor die Einhörner die Regie übernahmen und über den 21:6 Halbzeitstand am Ende einen verdienten und ungefährdeten 49:20 Sieg einfuhren.
Unicorns zu Gast beim "tegut…Gameday"
Wer den Vorbericht aus Schwäbisch Hall zu der kommenden Aufgabe in Marburg liest, könnte fast auf den Gedanken kommen, dass die Gäste am Sonntag als Außenseiter nach Hessen reisen. Jedoch kann selbst der Hinweis auf etliche verletzte Spieler und die spielfreie Vorbereitunsgzeit der Mercenaries Kenner der Szene nicht darüber hinwegt äuschen, dass eben genau das Gegenteil der Fall ist. "Netter Versuch", kommentiert dann auch Präsident Carsten Dalkowski mit einem Grinsen auf dem Gesicht. "Allein das Ergebnis vom Hinspiel, aber auch die Partien der letzten Jahre zeichnen hier ein deutliches Bild. Der Kader von Hall ist qualitativ gut besetzt und wird nach meiner Einschätzung die Ausfälle problemlos kompensieren können."
Unicorns zwei Nummern zu groß
Spätestens zur Halbzeit, eigentlich schon nach dem ersten Viertel, war klar, dass die Partie in Schwäbisch Hall nichts Zählbares einbringen würde. Zu dominant legten die Gastgeber los, führten Mitte des zweiten Viertels bereits 28-0 und konnten so nach der Pause bis zum Endstand von 56-25 in den "Cruise Control" Modus stellen. Es ist den Marburgern hoch anzurechnen, dass sie sich nie aufgaben, den zweiten Durchgang sogar ausgeglichen gestalten konnten, eine echte Siegchance entwickelte sich darauf indes nicht. So war dann auch nicht das Ergebnis die vorrangige Erkenntnis des Spieltages, sondern die Tatsache, dass die Mercenaries aufgrund des frühen Rückstandes augenscheinlich ihr Passspiel entdeckt haben.
Mit Neuzugang vor schwieriger Aufgabe in Hall
Nur phasenweise konnten die American Footballer der Marburg Mercenaries bei Ihrem letzten Heimauftritt gegen das Saarland überzeugen und so verwundert es wenig, dass man nunmehr als krasser Außenseiter die Reise zum Klassenprimus nach Schwäbisch Hall antritt. "Unsere Vereine haben sich leistungstechnisch in den letzten Jahren in der Tat immer weiter voneinander entfernt, alles andere ist Augenwischerei", beschreibt Präsident Carsten Dalkowski die aktuelle Situation und weist mit Respekt auf die Nachhaltigkeit der Haller Aufbauarbeit hin: "Aus meiner Sicht war man dort nie auf den kurzfristigen Erfolg aus, sondern hat den Verein auf der Basis einer funktionierenden Jugendarbeit Stück für Stück besser gemacht. Davor kann man nur den Hut ziehen". Bei den Unicorns bleibt abzuwarten, wie sie die doch deftige Niederlage gegen die Swarco Raiders aus Tirol im Europapokal weggestecken, bei den "Söldnern" wiederum wird es interessant zu sehen, wie Neuzugang Jesse Hogan einschlägt. Der Mann von der St. Francis University wird bereits am Freitag in Deutschland landen und am Samstag auf dem Rasen des "Optima Sportpark" stehen.
Mercenaries verlieren verdient
Ein Footballspiel besteht bekanntlich aus vielen Einzelteilen, die alle zusammenpassen müssen, will man am Ende den Platz als Sieger verlassen. Weiterhin, und auch dies ist eine alte Footballweisheit, geht es im Detail darum, in entscheidenden Szenen weniger Fehler zu machen als der Gegner. Leider für die Marburg Mercenaries passten die genannten Elemente am vergangenen Sonntag nicht wirklich zusammen und so stand am Ende eine 21-42 Niederlage gegen die Hurricanes aus dem Saarland, welche möglicherweise um den ein oder anderen Touchdown zu hoch ausgefallen war, an dessen Berechtigung wohl aber niemand ernsthaft zweifelte. Marburg, so gut das Laufspiel phasenweise auch funktionierte, strahlte durch die Luft keine wirkliche Gefahr aus und schoss sich durch Unzulänglichkeiten im letzten Spielabschnitt in das vielzitierte eigene Knie.

